Geschichte
Geschichte der Christuskirche Drucken

 

Evangelische Südgemeinde Heilbronn

Von der Südkirche zur Christuskirche

 

Die Südkirche

Im Jahr 1919 wurden die Heilbronner Teilgemeinden mehr als bisher selbständig. Stadtpfarrer Stein benützte die Gelegenheit, einen neuen Vorstoß in der Frage des beabsichtigten Kirchenbaus zu machen. Es fehlte immer noch am Geld für eine endgültige Kirche. Aber es gab jetzt billige Holzkirchen in Serienfertigung. Stadtpfarrer Stein erreichte es, dass im Sommer 1925 bei den Kölner Holzbauwerken eine rasch aufstellbare Holzkirche größeren Modells bestellt wurde. Die drückende Enge im Gemeindesaal war inzwischen unerträglich geworden. Der Kirchenbau ging rasch voran. Man hatte mit der Stadt den Bauplatz an der Happelstraße gegen einen günstigeren an der Südstraße eingetauscht. Die Gemeinde freute sich des werdenden Kirchleins, das schon am 15. November 1925 eingeweiht werden konnte und künftig den Namen „Südkirche“ trug.

 

Südkirchle

 

Die Südkirche war bald geschätzt und beliebt und reichte mit ihren 500 Sitzplätzen gut für die Gemeinde aus. Die Ausstattung mit Nebenräumen für Jugendarbeit, Kindergarten, Singchorarbeit, Missionskreise usw. war natürlich sehr bescheiden. Auf der Empore stand eine kleine Orgel. Daneben war noch Platz für den Kirchenchor. Im Südteil der Kirche war der Jugendsaal, der mit dem Hauptraum verbunden werden konnte.

 

 

35 Jahre hat das Holzkirchlein der Südgemeinde gedient. Selbst der Sturm des zweiten Weltkrieges konnte es nicht wegfegen. Eine Granate hatte das Dach leicht beschädigt. Allerdings hatte die Kirche nach dem Kriege eine Zeitlang keine Dachziegel und wurde durch den Regen ziemlich mitgenommen.

 

Doch war es die erste und einzige Kirche in Heilbronn, die bald wieder benützt werden konnte, die „Kathedrale von Heilbronn“, wie man sie scherzhaft nannte, weil sie manchen evangelischen und katholischen Gemeinden, die ausgebombt waren, als Gotteshaus diente.

 

Am 5. November 1950 feierte das Kirchlein seinen 25. Geburtstag. Der Landesbischof D. Martin H a u g ließ es sich nicht nehmen, die Festpredigt zu übernehmen und das Kirchlein mit seiner einzigartigen Geschichte entsprechend zu würdigen. Die Südkirche diente weiter, bis sie im Jahre 1960 endgültig ihren Dienst versagen musste. Was war doch bis dahin in dem schlichten Gotteshaus alles vor sich gegangen ! Gottesdienste und Kindergottesdienste wurden gehalten, Kirchenkonzerte, Gemeindeabende, Jugendfeiern und Allianzkonferenzen veranstaltet. Der Jugendsaal beherbergte den Kirchenchor, Konfirmanden, Mädchenkreise, ja selbst die Kleinen vom Kindergarten.

 

Stadtpfarrer Stein hat der Gemeinde 27 Jahre (1911-1938) mit großer Treue gedient. In seine Amtszeit fiel auch der Bau der Martin-Luther Kirche auf der Fleinerhöhe, sodass die Südgemeinde eine Zeitlang zwei Kirchen hatte, bis 1947 die Martin-Luther-Gemeinde selbständig wurde. Am 29. Oktober 1939 hielt Pfarrer Martin Lang seinen Einzug in der Gemeinde und war 16 Jahre lang ihr treuer Seelsorger bis zu seiner Versetzung als Dekan nach Öhringen. Sein Nachfolger war Pfarrer Martin Haug, der im August 1955 die Südgemeinde übernahm. Mit dem Einsatz seiner ganzen Kraft und mit reicher Erfahrung setzte er die Arbeit seines Vorgängers fort. Sein erstes großes Ziel war die Schaffung eines zweckmäßigen Gemeindehauses auf einem Platz neben der Südkirche. Am 4. Advent 1957 konnte das neue Südgemeindehaus bereits eingeweiht werden. Dass es dringend nötig war, wurde im Frühjahr 1960 besonders deutlich, als die Südkirche baufällig wurde und geschlossen werden musste. Am Sonntag, dem 6. März 1960 erfolgte nach ergreifender Abschiedsstunde der endgültige Auszug aus dem lieb gewordenen Gotteshaus. Noch zwei Jahre stand das Kirchlein einsam und verlassen da, bis am 24. Mai 1962 die Stunde seines Abbruchs geschlagen hatte. Die Südkirche musste den Platz für die kommende Christuskirche räumen.

 

Die Planung und Vorarbeit für einen Kirchenbau braucht seine Zeit. Ende Juni 1962 erschien ein großer Baukran der Firma Koch u. Mayer. Nun wusste man: der Baubeginn ist da.

GrundsteinlegungAm 17. November konnte die feierliche Grundsteinlegung der Kirche erfolgen. Pfarrer Haug begrüßte die Gemeinde und ihre Gäste, Dekan Dr. Siegel hielt die Festansprache. Nach dem Choralgesang der Gemeinde „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ verlas Schuldekan i.R. Hartmann die Urkunde, die in die Kassette des Grundsteins eingelegt werden sollte. Hier der Anfang ihres Wortlauts: Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Christus“. (1.Kor.3,11)

 

Die Urkunde war in kunstvoller Schrift von Stadtmissionar Döring geschrieben worden. Der Stein mit der Aufschrift „Anno domini 1962“ und dem beigegebenen Monogramm Christi wird künftig an der Westseite des Turmes zu sehen sein.

 

Die Gemeinde musste zur Ausgestaltung ihrer neuen Kirche ein gut Teil selbst beitragen. In großer Einsatzbereitschaft und Liebe zum neuen Gotteshaus brachte sie auch erhebliche Opfer. Für Bausparverträge, Glocken und Turmuhr brachte sie schon im ersten Baujahr über 100 000 DM zusammen. Glücklicherweise wurden die nie ermüdenden Bittgänge des Gemeindepfarrers und einsatzbereiter Gemeindeglieder durch Höhepunkte im Erleben des Kirchenbaus unterbrochen und belohnt.

 

Ein großes Ereignis war der Glockenguss am 14. Februar 1963. Der Kirchengemeinderat hatte nach sorgsamer Überlegung die Zustimmung zur Anschaffung eines vollen Geläuts mit vier Glocken gegeben. Am 1. Juni 1963 konnte das Richtfest als Bestätigung der Vollendung des Turms und der wesentlichen Teile des gesamten Rohbaus gefeiert werden.

Glocken

Ein neuer festlicher Tag war für die Gemeinde die Einholung der Glocken. Am 8. Juni 1963 wurden die 4 mit Pfingstrosen und weißen Nelken geschmückten Glocken auf zwei Tiefladern, zum Schluss von der Gemeinde und ihrer Jugend begleitet, feierlich eingebracht. Nach kurzem Festakt an der Christuskirche wurden die Glocken noch am gleichen Tage in ihre luftige Höhe gezogen. Bis zum Jugendsonntag am 23. Juni waren die Glocken bereits montiert, sodass nach dem Vormittagsgottesdienst bei schönem Wetter im Hof des Gemeindehauses die Weihe der Glocken stattfinden konnte. Mit Spannung hörte die versammelte Gemeinde nach vorausgegangenen Ansprachen und Chorgesängen jede Glocke erst einzeln, dann alle vier in kraftvollem Zusammenklang. Die in die Weite dringenden Anschlagtöne der Glocken c-d-e-g erfüllten die Herzen mit Freude und Dank.

 

Ein von der Bevölkerung der ganzen Stadt wahrgenommenes Ereignis war die Freilegung des Turmes der Christuskirche von allen Gerüstteilen, die bisher seine Form verdeckt hatten. Nunmehr zieht der hohe, schlanke Turm in seinem strahlenden Weiß mit goldenem Kreuz als Abschluss alle von der Wilhelmstraße in die Südstraße Einbiegenden, ob Fahrer oder Fußgänger, in seinen Bann.

 

Nach Fertigstellung des Rohbaus der Kirche im August 1963 konzentrierten sich die Kräfte der Gestalter des Bauwerks ganz auf die Ausstattung der Innenräume. Immer deutlicher prägte sich jetzt das Bild der Christuskirche in den letzten Schritten ihrer Vollendung. Möge der Geist des Herrn Christus, dessen Namen die Kirche trägt, alle Besucher des Gotteshauses erfüllen, dass das Haus in Wahrheit ein Ort werde, in dem Gottes Ehre wohnt !

 

(Dieser Beitrag von Schuldekan Immanuel Hartmann ist der Einweihungs-Broschüre der Christuskirche im Jahr 1963 –mit einigen Kürzungen- entnommen.)